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Reisebericht - Kigugu 2008
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Im September 2008 waren wir als Delegation von 4 Mitgliedern in Kigugu, um den Kontakt mit den Leuten vor Ort zu pflegen und die aktuelle Situation aufzunehmen. Die Reise war anstrengend, aber auch interessant. Wir haben viel gesehen und gelernt. Nachfolgend sind die wichtigsten Eindrücke in chronologischer Reihenfolge beschrieben.

Ankunft am Flughafen in Dar Es Salaam

Ankunft in Dar Es Salaam

Nachdem ich (Michael) bereits 4 Wochen in Tansania verbracht und einiges vorbereitet hatte, trafen die 3 Delegierten Ute, Johannes und Bernd am Nachmittag des 1. September am Flughafen „Mwalimu Julius Nyerere“ in Dar Es Salaam ein. Die Temperatur Anfang September lag bei angenehmen 25 Grad mit leicht bewölktem Himmel. Die 3 hatten einen anstrengenden Flug hinter sich, so dass der Weg vom Flughafen direkt zum Landmark Hotel im Stadtteil Ubungo ca. 9 km westlich der Stadtmitte führte.

Nach einer Übernachtung im Landmark Hotel besuchten wir am Morgen des 2. September den Büroleiter der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Dar Es Salaam, Herrn Dörken, um auszuloten, inwieweit eine Unterstützung für Kigugu durch die GTZ möglich sein könnte. Zwar beschäftigt sich die GTZ u.a. auch mit Problemen der Wasserversorgung, jedoch eher auf politischer bzw. administrativer Ebene. Also verblieben wir ergebnislos, aber um eine Erfahrung reicher.

Offener Brunnen in Dar Es Salaam

Obwohl alle von uns bereits 2 bzw. 4 Jahre zuvor in Tansania waren, eröffneten sich uns viele neue Eindrücke von der Großstadt Dar Es Salaam. Besonders auf einer kleinen Exkursion durch die engen Gassen von Ubungo am frühen Morgen gab es viel zu entdecken. Ein junger Mann mit einem Ziehwagen, auf den er ein halbes Dutzend 20-Liter-Kanister geladen hatte erzählte, dass er Trinkwasser für 100 Shilling verkaufen würde, welches er aus der Wasserversorgung der Universität entnommen hätte. Wir fragten eine Frau, die offenbar Wasser holen wollte, welchen Brunnen sie aufsuchen würde und ob wir sie begleiten dürften. An einem offenen Brunnen schöpften einige Frauen mit einem am Seil herabgelassenen Eimer Wasser in die zahlreichen mitgebrachten Gefäße. Keine 20 Meter weiter gab es einen Wassertank, der offenbar an ein Leitungsnetz angeschlossen war. Auf die Frage, warum sie denn das Wasser aus dem Brunnen schöpfen würden, obwohl es die Wasserleitung gäbe, antworteten die Frauen, dass das Wasser aus dem Brunnen weicher und zum Waschen besser geeignet wäre.

Sortierte Plastikflaschen

Große Haufen offenbar sortierter Plastikflaschen belegten, dass hier eine Art Recycling stattfindet, obwohl nach wie vor große Mengen Müll in den Bächen und Flüssen liegen und ins Meer gespült werden. Die übliche Art der Müllentsorgung in Tansania ist jedoch das Abbrennen von Müllhaufen am Straßenrand, was besonders in den frühen Abendstunden zu einer erheblichen Luftverschmutzung in den Städten führt. Der Straßenverkehr hat in den letzten Jahren stark zugenommen, besonders in Dar Es Salaam. Mitunter steht man mehrere Stunden im Stau. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge scheint sich jedoch gegenüber unseren Erfahrungen von vor 2 (bzw. 4) Jahren verringert zu haben. Dies hängt möglicherweise mit den vielen Verkehrskontrollen von LKWs überall auf den Hauptstraßen im Land zusammen.

Morogoro

Martha und Chisengo zu Hause in Morogoro

Gegen Mittag sind wir mit dem gemieteten Geländewagen (Toyota Landcruiser Prado) nach Morogoro aufgebrochen. Auf der inzwischen sehr gut ausgebauten Asphaltstraße kommt man zügig voran, so dass die ca. 250 km in 3-4 Stunden leicht zu bewältigen sind. Auf dieser Strecke gibt es einen sehr regelmäßigen Busverkehr. Die meisten der zahlreichen Buslinien verlangen hierfür 6000 Shilling (~ 4 Euro) pro Person. Früh morgens kurz vor Sonnenaufgang, wenn noch nicht so viele Autos unterwegs sind, legen diese Busse die Strecke in halsbrecherischem Tempo in weniger als 2 ½ Stunden zurück. In Morogoro wurden wir herzlich von Martha und Chisengo empfangen. Es gab leckeres afrikanisches Essen. Der Abend verstrich im Nu. Wir tauschten Neuigkeiten aus beiden Welten aus, lachten viel und freuten uns einfach angekommen zu sein. Das uns allen bereits vertraute Haus von Martha und Chisengo in Morogoro bot uns ein komfortables Quartier für die Nacht.

Aufbruch nach Kigugu

Weg nach Kigugu

Am Morgen des 3. Septembers deckten wir uns in Morogoro zunächst mit den überlebenswichtigen Dingen, wie Toilettenpapier, Weißbrot und Nudeln, ein. Gegen 11:00 Uhr fuhren wir los in Richtung Kigugu. Nach ca. 35 km auf bester Asphaltstraße ging es ab Dakawa auf einer Sandpiste weitere 30 km durch die Savanne. Angeblich war die Piste zuvor gerade frisch planiert worden, was angesichts der vielen Löcher kaum zu glauben war. In Kwadihombo trafen wir auf eine gut gepflegte Piste, die sich am Fuß der Nguru Berge entlangschlängelt und uns nach weiteren 5 Kilometern bis Kigugu führte. In Kigugu wurden wir vom Kigugu Help Komitee und einigen Einwohnern empfangen und haben in einem kleinen Spaziergang einen ersten kleinen Eindruck vom Dorf gewonnen. In der Vergangenheit war jeweils ein großes Fest veranstaltet worden, um die Gäste aus Deutschland zu empfangen. Obwohl wir selbst geäußert hatten, dass so ein Aufwand wegen uns nicht erforderlich wäre und wir uns in der knapp bemessenen Zeit lieber auf das Vorantreiben der Projekte konzentrieren wollen, hatten wir uns insgeheim doch einen etwas „lauteren“ Empfang gewünscht. Noch am selben Nachmittag gab es einen Punkt auf der Tagesordnung. Wir wollten uns mit den Lehrern und dem Direktor der Grundschule in Kigugu treffen. Also war beim Beziehen unseres Quartiers einige Eile geboten. Das Haus, welches Matha und Chisengo, der im März bereits 64 Jahre alt wird, als Alterswohnsitz dienen soll, ist nach lokalem Maßstab sehr komfortabel und war uns aus früheren Besuchen bereits bestens bekannt.

Grundschule Kigugu

Mathematikunterricht in Kigugu
zerstörtes Schulgebäude

In der Grundschule (1. - 7. Klasse) wurden wir am Nachmittag von ca. 100 vorwiegend kleineren Schülern empfangen und zum Lehrerzimmer begleitet. Dort warteten bereits einige Lehrer auf uns. Der Direktor war leider nicht da, weil er dienstlich verreist war. Der Stellvertreter des Direktors begrüßte uns herzlich und erklärte uns die aktuelle Situation der Grundschule. Insbesondere der Einsturz eines Schulgebäudes, dessen Dach von einem Sturm während der Regenzeit angehoben worden war, sei ein großes Problem. Zum Glück befand sich in diesem Moment niemand im Gebäude, so dass es keine Verletzten gibt. Das Gebäude solle so bald wie möglich wieder aufgebaut werden, wobei Hilfe durch Kigugu-Help sehr willkommen sei. Zahlreiche Diskussionen über die Unterstützung beim Wiederaufbau des Gebäudes gab es sowohl innerhalb der Reisegruppe als auch später in Deutschland innerhalb des vollzähligen Vereinsvorstands. Daneben wurde uns eröffnet, dass viele der 4 Jahre zuvor von Kigugu-Help angeschafften Schulbücher nicht mehr den Vorgaben des Bildungsministeriums entsprächen und jetzt andere Schulbücher gekauft werden müssten. Wir haben uns die Erläuterungen angehört und darüber diskutiert, wollten aber erst später in Deutschland eine Entscheidung in dieser Sache fällen, da hier die pragmatische Überlegung nahe liegt, dass die vorhandenen und bis vor kurzem noch ausreichenden Bücher allemal nützlicher sind als gar keine.

Als Ratschlag für zukünftige Reisen sei an dieser Stelle gesagt, dass der September denkbar ungünstig für unseren Besuch gewählt war. In der Grundschule standen die Abschlussprüfungen und danach Ferien an. Dadurch waren viele Lehrer und der Direktor unterwegs zu anderen Schulen im Land. Die Hochschulen hatten gerade die Semesterferien, die sich über Juli und August erstrecken, beendet, so dass Chisengo, der als Professor für Mathematik an der „Sokoine University of Agriculture“ (SUA) in Morogoro und einer privaten Universität in Iringa arbeitet, nur in begrenztem Maße für uns Zeit hatte.

Sungaji Secondary School

Fahnenappell bei der Sungaji Secondary School

Am Morgen des 4. Septembers erwartete man uns in der Sungaji Secondary School, die sich unweit von Kigugu im Nachbardorf Mbogo befindet. Nach einer Begrüßung durch die Direktorin Mrs. Materu und einem Fahnenappell, der Erinnerungen an meine Schulzeit in der DDR weckte, wurden wir vom „Board of Secondary School“ empfangen und über die aktuelle Situation aufgeklärt. Die erst 2007 eröffnete Schule befindet sich insoweit noch im Bau, als dass jedes Jahr neue Klassenräume für die jeweils hinzukommende Klassenstufe gebaut werden müssen. Entsprechend sind damit einhergehende Anschaffungen, wie Tische und Stühle nötig. Ebenso gibt es einen dringenden Bedarf an allen Gerätschaften, die für die Schulbildung der Oberstufe von Nutzen wären, insbesondere Laborausrüstungen für Unterricht in Naturwissenschaften aber auch Schulbücher usw. Auch hofft man eines Tages Computer anschaffen zu können. Für uns von großem Interesse waren zunächst aber ganz elementare Fragen, wie die Wasser- und Stromversorgung der Schule. Hier stellte sich aber bereits im Vorfeld wie auch später bei einem Besuch bei TANESCO (staatlicher Energieversorger) in Morogoro heraus, dass die Versorgung der Schule mit Strom bereits geplant und die Finanzierung sichergestellt sei. Die Wasserversorgung würde hoffentlich im Zuge der zukünftigen Wasserleitung vom Mkindo-River aus den Bergen gewährleistet. Ein aktuelles und dringendes Problem war der Bau eines Administrationsgebäudes mit Lehrerzimmer und insbesondere eines sicheren und verschließbaren Raumes zur Aufbewahrung der Prüfungsunterlagen. Ohne so einen Raum dürfen an dieser Schule keine Prüfungen stattfinden. Hierfür wurden uns Kostenvoranschläge vorgelegt, verbunden mit dem Ersuchen um finanzielle Unterstützung. Fertigstellungstermin für das Gebäude sei das Jahresende, da im Januar das neue Schuljahr beginne und bis dahin auch noch 4 neue Klassenräume gebaut werden müssten, von denen allerdings noch gar nichts zu erkennen war (im September). Wir haben uns auch hier die Ausführungen aufmerksam angehört, um diese nach Hause mitzunehmen und später in Deutschland Entscheidungen treffen zu können.

Am Nachmittag hatten wir ein Treffen mit dem Kigugu-Help Komitee geplant. Es war eine freundliche Begegnung, jedoch zunächst ohne tiefschürfende Diskussionen, dafür sollte es später noch genug Zeit geben. Das Kigugu-Help Komitee besteht aus Frau Mnyamani (Vorsitzende und Frau des Arztes aus dem ehem. Lepra-Krankenhaus), Frau Lai (Lehrerin), Herr Saidi Lukonde (Bauer), Herr Thomas Maseke (Chairman der Dorfregierung) und Chisengo Sembuche (Koordinator und unser Kontaktmann). Wir kannten alle bereits von früheren Besuchen.

bei der Upendo Group

Später besuchten wir die Frauengruppe „Upendo“, die finanzielle Unterstützung von Kigugu-Help erhalten hatte und uns nun erzählten, wie sie das Geld eingesetzt hatten. Die Frauen dieser Gruppe haben sich zum Ziel gesetzt, ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu verbessern. Dies wollen sie durch die Produktion und den Verkauf von Textilien erreichen, die sie mit Hilfe von Batik-Technik herstellen. Wir waren begeistert vom Optimismus und der Aufbruchstimmung bei den Frauen. An diesem Nachmittag haben sie ganz nebenbei auch noch ein gutes Geschäft mit dem Verkauf ihrer Stoffe an deutsche Touristen gemacht.

Am späten Nachmittag, gerade rechtzeitig vor Sonnenuntergang, wurde ein Fußballturnier veranstaltet. Das war für uns und die Einheimischen recht unterhaltsam, besonders für die Kinder.

Nkungwi

Bergschule Nkungwi
Bergschule Nkungwi

Am Morgen des 5. September (Freitag) machten sich 3 von uns auf den Weg in das Dorf Nkungwi, welches ca. 600 Höhenmeter weiter oben in den Bergen liegt. Dort gibt es eine Grundschule, die wir bereits 2006 besucht hatten. Das alte in traditioneller Bauweise aus einem Ast-Gerippe mit Lehmfüllung errichtete Schulgebäude war extrem einsturzgefährdet und sollte noch im September aufgegeben werden. Ein Neubau etwas weiter unten am Berg war inzwischen soweit hergerichtet, dass der Unterricht dort notdürftig stattfinden konnte. Unsere Expedition traf Schüler und Lehrer beim Transport von Schulmöbeln, Büchern und sonstigem Inventar an, mit welchem sie auf abenteuerliche Weise die steilen Hänge hinab balancierten. Obwohl das neue Schulgebäude bereits bezogen wurde, sind die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen. Fenster und Türen fehlen noch völlig, der Fußboden besteht aus Ziegelbruchstücken, die lose verteilt wurden und Schlangen und anderen Kleintieren Unterschlupfmöglichkeiten bieten. Aufgrund von fehlenden abschließbaren Räumlichkeiten konnte das Vorhaben, die Schule mit Büchern und anderen Lehrmitteln auszustatten noch nicht umgesetzt werden. Seit unserem Besuch der Schule im Jahr 2006 gibt es mehrere erfolgreiche Versuche Briefkontakte zwischen den Schülern in Nkungwi und in Deutschland, speziell der Regionalschule Rehna, herzustellen. So hatten wir auch dieses Mal wieder viele Briefe im Gepäck. In der Vergangenheit konnte die Sprachbarriere (Deutsch ó Kiswahili) mit Hilfe meiner beschränkten Sprachkenntnisse überwunden werden. Dieses Mal wurden die Antworten jedoch von Aggrey, einem Lehrer im Ruhestand aus Kigugu, von Kiswahili nach Englisch übersetzt werden, so dass die deutschen Schüler selbst weiterkommen. Die 3 Lehrer der Schule, die für ca. 120 Schüler zuständig sind, erläuterten die aktuellen Probleme, Sorgen und Wünsche, die wir aufnahmen, um darüber später in Deutschland zu diskutieren.

Tumaini Frauengruppe

Am Nachmittag, wieder zurück in Kigugu, hatten wir ein Treffen mit der „Tumaini“-Frauengruppe. Diese Frauen haben mit Hilfe der Förderung durch Kigugu-Help Kochtöpfe und Geschirr gekauft und bieten nun eine Art Party-Service an. Bei großen Festen bieten Sie ihre Kochkünste an und sind dank des eigenen Geschirrs unabhängig vom Hausstand des Gastgebers. Wir haben uns über so viel Unternehmergeist gefreut, der hier offenbar gerade von Frauen entwickelt wird.

Kino am Abend

Am Abend hatten wir eine besondere Überraschung vor: „Sinema“. Glücklicherweise sind Video-Projektoren heute so klein, leicht und robust, dass es möglich ist, so ein Gerät von Deutschland nach Tansania mitzunehmen. Zusammen mit einem Laptop als Datenquelle und einem großen Bettlaken, das in Windeseile auf ein Lattengerüst gespannt war, entstand am Abend ein Kino. Als Lautsprecher diente die private Stereo-Anlage einer Lehrerin, eine Kabeltrommel zur Verbindung mit der nächsten Steckdose in der Grundschule konnte der ortsansässige Tischler bereitstellen. Mit großer Begeisterung wurden die mitgebrachten Bilder und Videos von der Dorfbevölkerung aufgenommen. Es war ein lautstarkes Spektakel und Eltern hatten zu später Stunde Mühe, ihre Kinder ins Bett zu rufen. Noch einige Tage nach diesem Ereignis liefen die Kinder hinter uns her und riefen „Sinema lini?“ (Wann ist Kino?)

Brunnen, zentrale Wasserleitung und Bewässerungsvorhaben

Brunnenbesichtigung
Bewässerungsgraben

Am Samstag Vormittag schauten wir uns bei einem Rundgang mit verschiedenen Verantwortlichen den Zustand der mit Hilfe von Kigugu-Help errichteten Brunnen an. Dabei waren u.a. der ortsansässige Daniel Mbigima, der verantwortlich für die Instandhaltung der Brunnen ist, der für das Projekt der zentralen Wasserversorgung zuständige Ingenieur aus Morogoro sowie mehrere Mitglieder des Kigugu-Help Komitees. Es stellte sich heraus, dass die Brunnen aufgrund der täglichen Dauerbelastung so schnell verschleißen, dass eine grundlegende Sanierung angebracht wäre. Wir entschieden uns, den Erbauer der Brunnen, Mr. Gwabara, in dieser Angelegenheit zu kontaktieren, sobald wir wieder in Morogoro sein würden, um ihn mit der Instandsetzung der Brunnen zu beauftragen. Auf dem Rundgang wurden uns auch die Anfänge eines Bewässerungsvorhabens gezeigt. Mehrere Kanäle sind bereits angelegt worden, um das Wasser des Chazi-Rivers und des Kigugu-Rivers über ein Wehr aufzustauen und auf die Felder zu leiten. Im Anschluss sollte eine Versammlung mit dem Kigugu-Help Komitee stattfinden, jedoch erschienen einige Mitglieder des Komitees nicht, so dass diese auf den späteren Nachmittag verschoben wurde. In der nachfolgenden Versammlung mit der Dorfregierung und den Verantwortlichen für die verschiedenen Wasserversorgungsprojekte wurde über die Brunnenwartung, den Bau der zentralen Wasserleitung, wobei ein Teil des Wassers des Mkindo-Rivers in den Bergen in Rohrleitungen umgeleitet werden solle, aber auch das über das Projekt zur Feldbewässerung diskutiert. Wir konnten Einsicht in Planungsunterlagen des Bewässerungsprojektes nehmen und erfuhren Details zum Bau der Wasserleitung. Nach Ansicht unserer Experten für Wasserwirtschaft ist der Bau der zentralen Wasserleitung sehr problematisch, was die Wasserqualität und die Dauerhaftigkeit des Systems anbetrifft. Daher gibt es bisher keine Unterstützung von unserer Seite für dieses Projekt. Für den Bau der Bewässerungsgräben, so erläuterte man uns, würden schwere Maschinen benötigt, da abschnittsweise durch felsigen Untergrund gegraben werden müsste. Dies würde eine größere Geldsumme erfordern, um deren Bereitstellung wir gebeten wurden. Eine Entscheidung hierfür konnte nicht sofort getroffen werden, da dies erst später in Deutschland diskutiert werden muss. Interessanterweise reichen die Gräben des Bewässerungsvorhabens nur bis zu einem kleinen Teil des Ackerlandes, das von der Dorfbevölkerung bewirtschaftet wird. Die meisten Bauern, insbesondere jene, die sich die höheren Preise für den Erwerb dieses Landes nicht leisten können, hätten keinen Nutzen von diesem Projekt. Diese Bauern regten vielmehr die Vergabe von Kleinkrediten zur Anschaffung von mobilen Wasserpumpen mit Verbrennungsmotor an, welche das Wasser des Mkindo-Rivers, der sich am Rand der Felder entlangschlängelt, auf die Felder befördern könnte. Der Mkindo-River führt auch in der Trockenzeit reichlich Wasser. Es ist jedoch fraglich, ob dieser Fluss sowohl die Wasserentnahme für die zentrale Wasserleitung als auch die Entnahme zur Feldbewässerung ohne schwerwiegende Folgen für das Ökosystem übersteht.

Beim Treffen mit dem Kigugu-Help Komitee ging es um das Thema Geld, also dem Abgleich unserer Buchführung mit jener vor Ort. Dabei haben sich einige Unstimmigkeiten herausgestellt, die uns in den folgenden Tagen einiges Kopfzerbrechen bereiteten.

Faraja Frauengruppe

Am frühen Abend trafen wir noch die Frauengruppe „Faraja“, die sich der Unterstützung von sozial benachteiligten Schulkindern widmet. Durch Handel mit verschiedenen Waren, vor allem Textilien, versuchen die Frauen dieser Gruppe ihr Geld zu vermehren, um mit dem Gewinn Schulkinder zu unterstützen, die z.B. ihre Eltern verloren haben, oder jene die aus sehr armen Familien kommen.

Sonntag

Der Sonntag war als freier Tag eingeplant. Ein Besuch in der Kirche ist in Tansania ein besonderes Erlebnis. Selbst in einer so kleinen Gemeinde wie Kigugu sind die Gesänge des Chors einfach wunderbar. Ungewohnt ist nur, dass Fremde zunächst vom Pfarrer aufgefordert werden, sich vorzustellen, natürlich auf Kiswahili. Auch die Versteigerung der gespendeten Naturalien am Ende des Gottesdienstes ist interessant und recht lustig. Wir haben kräftig mitgeboten.

Zubereitung des Hühnchens

Am Nachmittag sind wir nach Turiani gefahren, einige Einkäufe zu erledigen. Gegen Abend überkam uns der Hunger und wir haben nach einem Restaurant gefragt. Eine junge Frau führte uns über mehrere Hinterhöfe zu einem Haus etwas abseits gelegenen Restaurant. Man war nicht so recht auf uns vorbereitet, aber da wir auch eine Stunde Wartezeit in Kauf nehmen wollten, durften wir bleiben. Wir bestellten Hühnchen mit Reis und Spinat. Nach etwa 5 Minuten kamen 2 junge Männer, von denen jeder 3 lebende Hühner an den Füßen in der Hand hielt. Keine 5 Minuten später lag eins davon im Kochtopf und kurz darauf traf jemand mit einem Beutel frisch geerntetem Spinat ein. Frischer kann man Essen nicht zubereiten. Es war recht lecker. Deshalb suchten wir dieses Restaurant am folgenden Donnerstag erneut auf.

Bauern, Handwerker und Gewerbetreibende

Schweinestall

Am Montag war eine Versammlung mit den ortsansässigen Bauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden angesetzt. Hier wollten wir näheres über die aktuellen Sorgen und Probleme erfahren und die Distanz zwischen uns und den Dorfbewohnern verringern. Einige Viehzüchter trugen uns ihre Bitte für einen kleinen Kredit zum Bau eines Schweinestalls vor, andere Bauern wiederholten den Wunsch nach Motor-Pumpen zur Bewässerung. Nach der Versammlung führten uns verschiedene Leute zu ihren Anwesen, so dass wir uns einen genaueren Eindruck von ihren Vorhaben verschaffen konnten. Besonders diese Art von Anfragen bestärken den Eindruck, dass die Vergabe von Kleinkrediten etwas zur Entwicklung des Dorfes beitragen kann, obwohl das Kigugu-Help Komitee vor Ort diese Ansicht nicht teilt. Bei dieser Veranstaltung, aber auch bereits einige Tage zuvor bei der Versammlung zum Thema Wasserversorgung, wurde deutlich, dass das Kigugu-Help Komitee und deren Aktivitäten unter der Dorfbevölkerung kaum bekannt zu sein schienen. Dies verwunderte uns sehr. Selbst der Chairman der Dorfregierung, welcher ja auch Mitglied des Kigugu-Help Komitees ist, war als solches kaum bekannt. Diese Problematik gab im weiteren Anlass zu intensiven Diskussionen mit dem Komitee.

Besuch von Behörden in Morogoro

Mr. Msofe

Am Morgen des 9. September (Dienstag) fuhren wir nach Morogoro, um dort den für die Region Mogogoro zuständigen Leiter von TANESCO, dem Stromversorger zu treffen. Unser Anliegen war einerseits der Stromanschluss der Sungaji Secondary School, dessen Planung uns für 2009 bestätigt wurde, und andererseits die Erweiterung des Stromnetzes in Kigugu, die 2006 wegen des Konkurses der Installationsfirma und stark steigender Preise gescheitert war, fortzusetzen. Mr. Msofe teilte uns mit, dass TANESCO darüber nachdenken wird, das Budget für die Versorgungsleitungen und entsprechende Masten bereitzustellen, wenn sich genügend Haushalte anschließen wollen. Sehr gute Nachrichten. Zufrieden und voller Hoffnung verließen wir das Büro dieses beeindruckenden Mannes. Wir suchten den Brunnenbau-Ingenieur, Mr. Gwabara, auf, um ihn mit der Instandsetzung der Brunnen in Kigugu zu beauftragen. Er versprach uns, noch am selben Tag nach Kigugu zu fahren, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen und einen Kostenvoranschlag zu erstellen. Tatsächlich trafen wir ihn am selben Abend und am nächsten Tag in Kigugu.

Ein gemischter Tag

Batik

Der Mittwoch war in der Agenda nicht gefüllt, um genug Platz für Unvorhersehbares zu lassen. So verbrachten wir diesen Tag auf unterschiedliche Weise, z.B. mit der Pflege persönlicher Kontakte. Johannes machte sich z.B. zusammen mit Philipo auf den langen Weg zu dessen Feld, um die mögliche Bewässerung aus dem Mkindo-River vor Ort zu erkunden. Ute und ich besuchten die Frauen der „Upendo“-Gruppe, um uns an diesem Tag die Batik-Technik anzusehen. Einige Dorfbewohner suchten uns auf, um mit uns zu sprechen. Wir ließen uns von Aggrey die Solaranlage eines Wohnhauses im Nachbardorf Mkindo zeigen. Gustafo, das spezielle Patenkind von Frau Dr. Barthels, kam gegen Mittag, um uns über seine Erfolge in der Schule zu berichten. Anschließend besuchten wir ihn zu Hause, weil seine Mutter uns unbedingt begrüßen wollte.

Mädchen der Secondary School

Mädchen der Secondary School

Am Donnerstag hatten wir eine weitere Versammlung mit der Dorfregierung, um nochmals über zukünftige Anforderungen zu diskutieren. Das dominierende Thema war die bisherige Praxis der Vergabe von Kleinkrediten und mögliche Verbesserungen in der Handhabung für die Zukunft. Anschließend suchten wir noch einmal ganz gezielt die Randgebiete des Dorfes auf, um uns einen Eindruck vom Leben der Bewohner zu verschaffen, die uns nur selten über den Weg liefen. Am Nachmittag hatten wir die von Kigugu-Help mit Schulgeld für die Secondary School geförderten Mädchen eingeladen. Nach ein paar Minuten verlegenen Schweigens konnten wir letztlich doch einiges von ihren Erfahrungen, Hoffnungen und Wünschen erfahren. Als besonderes Erlebnis kam irgendwer auf die Idee, dass die Mädchen bestimmt gerne mit dem Auto fahren mögen. Und so durfte ich 11 gackernde Mädchen nach Turiani und zurück kutschieren. Die Fahrt war sehr lustig und laut.

Autoreparatur

Auf der Rückfahrt begann es bereits zu dämmern und die Scheinwerfer des Autos fingen an zu flackern. Schließlich gingen sie ganz aus und blitzten nur noch hin und wieder kurz auf. In den Tropen wird es sehr schnell dunkel. Wir kamen gerade noch rechtzeitig in Kigugu an, bevor es völlig dunkel war. Nach einiger Zeit und mit vereinten Kräften war der Fehler in der Elektrik bald gefunden und mit Gummi und Klebeband provisorisch repariert. Schließlich wollten wir am Abend noch einmal zum Restaurant nach Turiani, in dem wir einige Tage zuvor das leckere und äußerst frisch zubereitete Hünchen serviert bekamen. Wir kamen mit Licht gut nach Turiani und bekamen ein leckeres Abendbrot. Auf der Rückfahrt jedoch leuchtete nach einiger Zeit so eine merkwürdige rote Lampe auf dem Armaturenbrett. Die Temperatur des Motors schien zu hoch zu sein. Es war dunkel und wir waren noch ungefähr 10 km von Kigugu entfernt. Mit dem Prinzip Hoffnung kamen wir letztlich heil in Kigugu an. Offenbar hält so ein Landcruiser einiges aus. Diesmal konnten wir die Ursache des Problems nicht selbst herausfinden. Am nächsten Morgen riefen wir in Dar Es Salaam bei der Autovermietung an. Sie würden jemanden schicken, der am frühen Nachmittag eintreffen würde. Und tatsächlich, nur 6 Stunden nachdem wir angerufen hatten kamen 2 Männer mit einem neuen Auto und kümmerten sich um den defekten Motor. Nachdem auch sie das Problem nicht vor Ort beheben konnten, ließen sie das neue Auto für uns da und packten viel Wasser zur Kühlung für unterwegs ein, um dann mit dem defekten Auto zu verschwinden.

Fest zum Abschied

Am Freitag Abend veranstalteten wir ein kleines Fest zum Abschied, da es früh am nächsten Morgen zurück über Morogoro nach Dar Es Salaam und dann weiter nach Sansibar gehen sollte, wo wir noch ein paar Tage in Urlaubsstimmung kommen wollten. In Morogoro suchten wir noch Mr. Gwabara auf, um ihn vertraglich mit der Brunneninstandhaltung zu beauftragen. Das klappte ganz gut.

Ausruhen auf Sansibar

Sonnenuntergang auf Sansibar

Die letzten 3 Tage in Tansania verbrachten wir auf Sansibar direkt am Indischen Ozean. Wir schlüpften automatisch in die Touristenrolle und erholten uns ein wenig von den zum Teil recht anstrengenden Tagen in Kigugu. Sansibar ist allein schon wegen seiner besonderen Geschichte mit der kulturellen Nähe zu Arabien und Asien eine Reise wert. Leider verfallen die Gebäude in Stonetown zusehens, obwohl die Stadt seit 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.

Der Rückflug am 17. September verlief problemlos. In Deutschland war es kühl und etwas regnerisch und ich vermisse die frischen Kokosnüsse ein wenig.

 
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