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Reisebericht - Kigugu 2010

Wieder reiste eine Delegation unseres Vereins vom 1. bis 18. August 2010 für knapp 3 Wochen nach Kigugu. Diesmal waren es nur 2 Mitglieder, Emil Larek und Michael Krüger. Lesen Sie weiter und erfahren etwas über die vielen kleinen Schritte auf dem Weg zur nachhaltigen Verbesserung der Lebenssituation in Kigugu.

Der Empfang in Kigugu war fröhlich und herzlich.
Noch am 1. Tag (Mittwoch) fand ein Fußballspiel statt, das Kigugu im Elfmeterschießen gewinnen konnte. Wir haben zwei Bälle für das Spiel gestiftet und jede Mannschaft (so auch die Mannschaft aus Mbogo) bekam einen Ball.

Werkzeug zur Brunnenreparatur
Werkzeug zur Brunnenreparatur

Am Donnerstag haben wir die Brunnen (1 - 4) inspiziert. Wie bei allen Besuchen vorher, benötigten die Brunnen umfangreichen Service. Durch Witchcraft waren drei Brunnen defekt (gerade ausgefallen), aber zwei konnten umgehend noch am selben Tag wieder "spärlich" repariert werden. Wir konnten bei der Reparatur zusehen und haben einige Ideen, wie man die Qualität der Reparaturen an sich verbessern könnte. Von den fünf Brunnen ist einer (Nr. 5) aufgegeben worden, bei einem anderen (Nr. 2) ist der Wasserspiegel zu niedrig (was sich hoffentlich in der Regenzeit ändert), so arbeiten noch drei: Nr. 1, Nr. 3 und Nr. 4. Wir haben einige Werkzeuge und Ersatzteile für die Brunnenreparatur eingekauft in der Hoffnung, dass damit die Brunnen besser gewartet werden können. Gemeinsam mit Mr. Gwabara wurden die Brunnen repariert. Am Samstag haben wir die Werkzeuge und die verbliebenen Ersatzteile für die Brunnen an die Gemeinde (Mr. Maseke) im Beisein von der Vorsitzenden der Wasserkommission (Rose Nadharo), Mr. Mbaraka (Kigugu Help), Emili Abdalah (Monteur) und Chisengo übergeben. Die Gemeinde bezahlt die nötigen Ersatzteile, da sie regelmäßig Wassergeld einsammelt.

Wir wollten herausfinden, warum keine Mädchen die Secondary School in Form 5 und 6 besuchen. Es gab auf diese Frage verschiedene Antworten, die von der Art der Beteiligung abhingen, z.B. Mangel an Lehrbüchern, Mangel an Lehrern (große Klassen), Wechsel der Schule (von staatlich auf privat), u.a. Aus all diesen Gesprächen haben wir Änderungen der Regeln für die Unterstützung der Mädchen abgeleitet. Wir sind der Meinung, dass die Regeln verbessert wurden.

0Aus den Absolventen der Primary School in Kigugu inkl. Nkungwi können die besten 5 Schülerinnen beim Besuch der Secondary School durch Kigugu Help unterstützt werden.
1Jede Schülerin bekommt eine Unterstützung in Höhe von 150,000Tzs zu Beginn des neuen Schuljahres.
2Jede Schülerin bekommt leihweise alle Schulbücher für das entsprechende Schuljahr vom Kigugu Komitee ausgehändigt. Am Ende des Schuljahres sind die Bücher zurückzugeben.
3Fehlen am Ende des Schuljahres Schulbücher oder können sie durch Verschulden der Schülerin nicht weiter verwendet werden, müssen neue Schulbücher gekauft werden.
Der Kaufpreis wird von der Unterstützung des folgenden Jahres abgezogen.
4Beginnend mit Form 2 bekommt jede Schülerin für jede bestandene Prüfung der davor liegende Klasse ein Extrageld in Höhe von 5,000Tzs, vorausgesetzt, der Schulbesuch wird fortgesetzt. Die Obergrenze liegt bei 50,000Tzs (oder 10 bestandenen Prüfungen).
Dieses Extrageld kann erst nach Bekanntgabe der Prüfungsnoten (etwa Februar/März) ausgereicht werden.

In den letzten Jahren wurden die Mädchen, die von einer staatlichen Schule an eine private Schule wechseln, nicht mehr erfasst. Bei einem Treffen mit allen von uns geförderten Schülerinnen haben wir darauf hingewiesen, dass die Mädchen den Schulwechsel dem Kigugu Komitee mitteilen und nachweisen müssen. Dann gelten natürlich unsere Regelungen für Förderung weiter.

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geförderte Mädchen der Secondary School

Die benötigten Schulbücher werden an alle geförderten Mädchen ausgereicht

Bei einem kurzen Besuch in der Sungaji Secondary School, welche momentan von allen geförderten Mädchen besucht wird, ergab sich ein interessantes Gespräch mit der Direktorin. Diese Secondary School genießt aufgrund ihrer räumlichen Nähe und der Zuständigkeit für Kigugu unsere besondere Aufmerksamkeit. Nach wie vor herrscht großer Mangel, vor allem an Lehrkräften, Ausrüstung, Schulbüchern und Laboreinrichtungen. Für mehr als 400 Schüler gibt es 8 Lehrer, von denen 2 wegen Weiterbildung gerade verhindert waren. Auch die Elektrifizierung lässt noch auf sich warten. Die schwierige Situation spiegelt sich ebenso in den zaghaften Lernerfolgen wieder. Bei 135 Schülern in Form 4 (~10. Klasse) erwartet die Direktorin, dass lediglich etwa 25 die staatlichen Prüfungen bestehen. Dadurch erreichen nur sehr wenige Schüler den „Advanced Level“ (Form 5+6) der staatlichen Secondary School. An privaten Schulen können die Schüler jedoch unter bestimmten Voraussetzungen trotz nicht bestandener Prüfung in Form 4 mit Form 5+6 fortfahren. Daneben gibt es verschiedene Berufsausbildungen, z.B. zum Grundschullehrer, die durchgefallene Prüfungs-Kandidaten aufnehmen können. Vor diesem Hintergrund wird die Situation der durch Kigugu-Help geförderten Mädchen deutlicher. Insbesondere die Fortsetzung der Secondary School an einer privaten Schule gilt es im Auge zu behalten. Als Sofortmaßnahme konnte der freudestrahlende Chemie-Lehrer sein Labor-Equipment mittels einer kurz entschlossenen Spende merklich erweitern. Der Bedarf an Allem ist unfassbar groß.

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Sungaji Secondary School

Die Schulbuchsituation an der Primary School in Kigugu ist erneut fatal. In Tanzania wurden die Lehrpläne für die Primary Schools geändert, so dass die „alten“ Lehrbücher nicht mehr zu den neuen Lehrplänen passen. Es existiert wieder die Situation, wie vor 6 Jahren, dass nicht genügend (1 Buch je 7 Schüler) Bücher vorhanden sind. Der Schulbuchbestand muss wieder aufgestockt werden. Wir haben verlangt, da die alten Lehrbücher zwar nicht mehr den neuen Lehrplänen entsprechen jedoch inhaltlich natürlich weiter richtig sind, dass sie in einer Bibliothek den Schülern weiter zur Verfügung gestellt werden. Die Direktorin hat versprochen, das zu organisieren.

In den neuen Lehrplänen ist auch eine Computerausbildung enthalten. Den Lehrern (3 ICT Lehrer) wurde ein Laptop zur eigenen Qualifizierung übergeben. Michael hat die PC-Kenntnisse der 3 Lehrer in einem Abendkurs (Dauer eine Woche) noch kurzentschlossen aufgebessert.

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Besuch in Nkungwi

Ein besonders herzerfrischendes Erlebnis war die Übergabe der Bücher an die Schüler der Schule in Nkungwi. Von jedem der benötigten Bücher konnten wir 10 Exemplare übergeben. Die Lehrer (oder die Schüler oder die Eltern) wollten sich für jedes einzelne Buch bedanken. So hat die Übergabe aller Bücher sehr lange gedauert und wurde wirklich zur Seelenmassage. Vielen Dank an alle, die diese Aktion möglich gemacht haben. Wir können nur betonen, dass wir von der Dankbarkeit der Unterstützten sehr ergriffen waren.

Darüber hinaus wurde noch die Vervollständigung des vorhandenen Schulgebäudes mit Fernstern und einer Tür, wie beschlossen, auf den Weg gebracht.

Als wichtiger Teil unseres Frauenförderprogramms ist die Unterstützung der Frauengruppen in Kigugu anzusehen. Es wurde ein größerer Betrag an vier Frauengruppen übergeben.

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Tailoring Group

Die Horticulture Gruppe ist ein Zusammenschluss von 6 Frauen, die gemeinsam einen Garten (~800m2) bewirtschaften und das geerntete Gemüse auf dem Markt verkaufen. Der Garten machte einen guten Eindruck. Die eingenommenen Gelder sind hilfreich für die Familien. Von dem Fördergeld wird wahrscheinlich eine Wasserpumpe gekauft werden.
Die Faraja Gruppe unterstützt Kinder, die nur noch ein Elternteil haben und nicht von der Verwandtschaft aufgenommen werden können (weil die nächsten Verwandten z.B. „weit entfernt“ leben).
Die Tailoring Gruppe hat 4 Mitglieder, besitzt eine Nähmaschine und mietet z.Zt. eine zweite Maschine. Es würden sich gerne 5 weitere Frauen anschließen. Bisher wird nur Bekleidung repariert, oder es wird aus Kundenmaterial ein neues Stück angefertigt.
Die Jitegemee Gruppe hat fünf Mitglieder, unterstützt also 5 Familien mit insgesamt 29 Personen. Sie flechten Matten und bauen seit vier Jahren Reis an. Die durch den Verkauf von Reis und Matten entstehenden Einnahmen werden geteilt. Sie planen zusätzlich Schuluniformen zu reparieren und herzustellen.
Die vor zwei Jahren von uns unterstützte Upendo Gruppe arbeitet sehr erfolgreich wie ein kleines Unternehmen. Der erarbeitete Gewinn ist bemerkenswert, wie uns bei einem Besuch stolz berichtet wurde.

Eine genaue Überprüfung der Elektroanschlüsse ergab ein bemerkenswertes Ergebnis. Zu dem Stichtag existierten in Kigugu 46 Anschlüsse. Davon werden 21 Anschlüsse für kleine Unternehmungen (Mühlen, Frieseur, Kaufmann, Gaststätte,…) genutzt. Nach unserer lockeren Zählung werden mehr als 250 Personen mit elektrischem Strom versorgt. Unsere Zählung war nicht sehr genau, da wir manchmal Kinder gefragt haben, wie viele Personen in dem Haus wohnen. Außerdem haben wir mögliche Erweiterungen geprüft und mit dem Kigugu Komitee abgesprochen. Wir haben vier Familien ausgewählt, denen der Verein einen Kredit für den Anschluss an die E-Versorgung gewährt.

Die vielen kleinen aber schönen „Erlebnisse“ würden den Rahmen sprengen. Einige sollen aber noch Stichpunktartig aufgezählt werden.

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Geschäft an der Straße mit einem X

Die Hauptstraße durch Kigugu wird nach einen Landesprogramm demnächst verbreitert und asphaltiert. Diese Straße ist ein Teilstück der berühmten Straße von Cape to Cairo. Häuser, die zu dicht zur neuen Trasse stehen, müssen abgerissen werden. Das betrifft leider auch mehrere Kleinunternehmer. Über etwaige Entschädigung durch die Regierung war nichts bekannt. Das große X an der Wand ist der Hinweis der Straßenbauer, dass das Haus zerstört werden muss. Auch einige Strommasten stehen im Bereich der neuen Straße. Die Kosten für das Versetzen dieser Masten sind angeblich im Straßenprojekt enthalten.

Wir haben drei Computer in Kigugu gelassen, um die Möglichkeiten des Austausches von Informationen zu verbessern.

Eine Frauengruppe bat um einen Kredit für eine Nähmaschine. Wir haben den Kredit genehmigt und auch beim Einkauf in Morogoro die Maschine gleich besorgt und nach Kigugu mitgenommen.

 
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