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Reisebericht Kigugu 2015

[PDF] Am Abend des 11. Juli 2015 startete am Hamburger Flughafen für drei Mitglieder unseres Vereins die Reise nach Kigugu, Johannes Kansy, Bernd Baasner und Michael Krüger. Mit Zwischenlandung in Dubai erreichten wir am darauffolgenden Nachmittag den Flughafen Mwalimu Julius Nyerere in Dar Es Salaam. Die schleppende Abfertigung der ca. 400 Passagiere in dem winzigen Empfangsterminal des Flughafens kündigte bereits an, dass die Uhren in Afrika anders gehen. Weil wir alle drei schon mehrfach in Tanzania waren, kam dies für uns nicht überraschend. Ganz anders erging es zwei Studenten aus Deutschland, die uns bereits in Dubai als Deutsche identifiziert und angesprochen hatten. Sie wollten gleich weiter nach Arusha, hatten aber nur eineinhalb Stunden zum Umsteigen einschließlich Visabeantragung eingeplant und werden wohl ihren Flug verpasst haben.

Unser Gepäck wartete in einer Ecke neben dem Förderband auf uns, hatte den Flug aber unbeschadet überstanden. Da es wenig Sinn macht, am späten Nachmittag erschöpft von der langen Reise und etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang noch mit dem Auto nach Kigugu aufzubrechen, hatten wir eine gemütliche Unterkunft in Dar Es Salaam gebucht und wurden sogar vom Flughafen abgeholt.

Am nächsten Morgen holten wir das vorbestellte Auto von der Autovermietung ab, ein Toyota Land Cruiser mit Allradantrieb, der seine Fähigkeiten auf den Pisten im Hinterland später noch unter Beweis stellen sollte. Nach einem kurzen Tankstop ging es zum Excange Office. Da mehrere größere Geldbeträge z.B. für die Frauengruppen, Bücher usw. eingeplant waren, kam ein dickes Geldbündel von einigen Millionen Shilling über den Tresen des Exchange Office. Anschließend ging es zum Einkaufen verschiedener Kleinigkeiten, wie Wasser, Kaffee, Marmelade und Fußbälle. Gleich neben dem Supermarkt hatten sich verschiedene Telefongesellschaften aufgebaut. Da wir einen Tablet-PC für Kigugu im Gepäck hatten, benötigten wir eine SIM-Karte für den Internetzugang. Auch hier begegnete uns wieder die afrikanische Ruhe und Gelassenheit. Nach mehr als einer Stunde hatten sowohl der Tablet-PC als auch unsere drei Handys eine tansanische SIM-Karte und wir konnten uns fortan im Notfall untereinander erreichen oder im Inland telefonieren. Nun konnte es los gehen. Der Straßenverkehr in Dar Es Salaam erschien weit weniger chaotisch als er aus 2012 in Erinnerung geblieben war. Nach vier Stunden erreichten wir den großen Kreisverkehr in Morogoro, an dem sich die Straße nach Iringa und Dodoma verzweigt. Ohne Stop ging es weiter in Richtung Dodoma. Nach weiteren 45 Minuten Asphaltstraße bogen wir wie üblich in Dakawa auf die Sandpiste nach Kwadihombo und weiter nach Kigugu ab.

Inzwischen war es eine Stunde vor Sonnenuntergang und einige Mitglieder des Kigugu Help Komitees in Kigugu hatten sich an der Straße postiert, um uns zu empfangen. Es folgte die herzliche Begrüßung durch Chisengo, unseren Koordinator von Kigugu Help in Kigugu, Martha, seine Gattin und Hausherrin unserer Herberge, und das Kigugu Help Komitee. Wir bezogen dann unsere Quartiere und zum Abendbrot hatten Martha, Debora und Aquinata einen reichlich gedeckten Tisch vorbereitet. Es gab viel zu erzählen.

Am Morgen des 14. Juli kurz nach Sonnenaufgang wurden wir von schlurfenden Flipflops, Geschirrgeklapper und krähenden Hähnen geweckt. Nach dem Frühstück stand der erste Tagesordnungspunkt auf dem Plan, Meeting mit dem Koordinator des Kigugu Komitees, Chisengo. Wir sind den Haushaltsplan Punkt für Punkt durchgegangen und haben den aktuellen Stand der Elektro-Anschlüsse erörtert und eine zukünftig etwas modifizierte Verfahrensweise hierfür diskutiert.

Statt wie bisher, alle Anträge nach Deutschland zu melden und dort "genehmigen" zu lassen, wird ein festes Budget festgelegt und das Kigugu Komitee entscheidet eigenständig über die einzelnen Zuteilungen. Erst bei Bezahlung der Rechnung für den Stromanschluss wird der Antragsteller in einer Liste erfasst, die am Jahresende nach Deutschland zu senden ist. Das Kigugu-Kommitee soll dann auch einen Vorschlag über die benötigte Summe für das kommende Jahr unterbreiten, so dass wir dies in unserem Jahreshaushalt berücksichtigen können. Dadurch wird der bürokratische Aufwand auf die für uns tatsächlich relevanten Angaben reduziert. Am Nachmittag erschienen die anderen Mitglieder des Kigugu Komitees zum nächsten Tagesordnungspunkt. Wir gingen anhand des Haushaltsplans nochmals alle wichtigen Planungen durch und erkundigten uns nach den aktuellen Problemen. Der Vorschlag zur veränderten Verfahrensweise bei Elektro-Hausanschlüssen fand Zustimmung. Weitere Themen waren die Erneuerung der Schultoiletten, das Wasserleitungsnetz und die Brunnen, die geförderten Mädchen an der Secondary-School usw.

Am Vormittag des 15. Juli war ein Meeting mit der Dorfregierung geplant. Mit der üblichen Verspätung von 30 bis 40 Minuten begann die Versammlung und der Chairman Mr. Nyengo begrüßte uns und bedankte sich ausgiebig für alles bisher geleistete. Chisengo hatte sich als Übersetzer zur Verfügung gestellt. Ähnlich wie bei den vorangegangenen Sitzungen stellten wir Punkt für Punkt unsere Planung dar. Danach trugen verschiedene Mitglieder der Dorfregierung die aktuellen Probleme im Dorf vor. Wichtigster Punkt war die Bitte um Unterstützung beim Bau weiterer Wasserstationen. Mr. Vanga, der Excecutive-Officer des Dorfes nannte dafür Kosten von ca. 2,5 Mio. Schilling (ca. 1250 Euro) je Wasserstation.

Die Dorfregierung schlug den Bau weiterer 5 Wasserstationen vor. Auf die Frage, wie die vorhandenen Brunnen genutzt und erhalten werden können, erhielten wir die Aussage, dass ein Brunnen noch funktioniert, man aber seitens der Dorfregierung keine Anstrengung unternimmt, um die anderen Brunnen wieder zu erneuern. Die Bedeutung der Brunnen, die mit den Mitteln unseres Vereins errichtet worden waren, wurde von der Dorfregierung nicht mehr so hoch gesehen. Später konnten wir uns selbst ein Bild vom Zustand der Brunnen machen und feststellen, dass noch ein einziger Brunnen in Betrieb ist, dessen Wasserqualität aber augenscheinlich ungleich besser ist als bei den Wasserstationen, die das Oberflächenwasser des Divue-Rivers ausspeien. Ein weiteres Thema war die Fertigstellung des Versammlungsraumes im Gemeindehaus. Zur Zeit steht lediglich ein Streifenfundament. Hier müssen wir nach unserer Rückkehr im Vorstand beraten, ob und wie wir uns hieran beteiligen wollen.

Dann wurde ein Problem mit dem Stromnetz im Umfeld des Hospitals in Chazi vorgetragen. Hier ist es so, dass abgehend vom Mast in der Nähe des Hauses von Mrs. Mnyamani, der Vorsitzenden des Kigugu Help Komitees, diverse Häuser ohne Stromzähler angeschlossen sind. Diese beziehen also Strom, zahlen aber nichts dafür. Einige weitere Familien mit neu gebauten Häusern in diesem Gebiet würden sich auch gern an das Stromnetz anschließen, sind aber bemüht, TANESCO damit offiziell zu beauftragen. dadurch würde die bisherige illegale Stromnutzung aber auffliegen. Wir haben versucht unseren Standpunkt klar zu machen, nämlich, dass dieses Problem zunächst eigenständig mit TANESCO zu klären ist, bevor wir uns hier weiter engagieren können. Bei TANESCO dürfte vermutlich großes Interesse bestehen, die Stromnutzung durch Einbau von entsprechenden Zählern zu legalisieren. Wir haben weiterhin einen Vorschlag aus der Vergangenheit zur Feldbewässerung nochmals angesprochen. Dabei ging es darum, dass sich in Kigugu eine kleine Firma gründen könnte, die sich die Feldbewässerung zur Aufgabe macht. Dazu gehört die Wartung und Unterhaltung von Pumpen, Leitungen und Transportmitteln. Das Ganze war als Kredit konzipiert, so dass das Equipment hätte sofort angeschafft werden können. Aus dem Einnahmeüberschuss sollte der Kredit zurückgezahlt werden. In der Dorfregierung war man sich einig, dass sich niemand finden ließe, der das Risiko eines solchen Kredites tragen wolle.

Der Nachmittag war ausgefüllt mit einem Besuch bei der Primary-School. Wir wurden mit Musik und Tanz empfangen. Der Head-Master war nicht anwesend und ließ sich von einer Lehrerin vertreten.

Wir hatten einen Brief von den Schülern der ev. Schule Robert Lansemann aus Wismar und Fotos von jeder Klasse im Gepäck. Vor der Schule übergaben wir die Fotos und machten von den Schülern in Kigugu ebensolche Fotos, um sie später den Schülern in Deutschland zu zeigen. Den Brief übergaben wir der stellvertretenden Direktorin mit der Bitte, dass die Schüler eine Antwort in englischer Sprache verfassen mögen, so dass wir diese zusammen mit den Fotos zurück nach Hause bringen könnten. Ein paar Tage später erhielten wir den Antwortbrief.

Danach verlas ein Lehrer einen Brief an uns. Nach den Grüßen und dem Dankeschön kamen die aktuellen Probleme zur Sprache. Ein Thema war die Versorgung der Kinder mit einer Mittagsmahlzeit. Dafür würde die Schule gern eine entsprechende Fläche Ackerland erwerben, um darauf Reis, Mais und Gemüse anzubauen. So können die Schüler einerseits etwas über Landwirtschaft lernen und hätten andererseits die Grundlage für die Schulspeisung aus eigenem Anbau. Weiterhin werden Schultoiletten benötigt. Nach wie vor besteht der Wunsch nach einem Kopierer, um die Prüfungsunterlagen vervielfältigen zu können. Damit hatten wir uns bisher etwas schwer getan, weil wir nicht erkennen können, wie die Wartung solcher Gerätschaften bewältigt werden kann. Das zuletzt errichtete Schulgebäude macht einen guten Eindruck.

Das Gebäude in der Mitte hingegen droht seit Jahren einzustürzen, könnte aber unserer Meinung nach gerettet werden. Hierzu haben wir uns mit einem einheimischen Mauerer beraten, der eine Reparatur durch nachträgliches Aufbringen eines Ringankers aus Stahlbeton unterhalb des Daches sowie das Erneuern der einen Giebelwand für möglich hält. Da das Kigugu-Kommitee diesen Maurer aber nicht für vertrauenswürdig hält, ist nun das Kigugu-Kommitee gefragt, einen anderen Fachmann heranzuziehen, um eine Kostenschätzung und dann ggf. auch die Rparaturen durchzuführen. Bei der Sitzung mit dem School-Board haben wir entschieden, ein aus unserer Sicht geeignetes Mitglied des School-Boards mit einem Tablet-PC auszustatten. Bedingung ist das Beherrschen der englischen Sprache, zumindest soweit, dass eine Kommunikation per E-Mail möglich erscheint. Die Entscheidung fiel auf Philipo Chilongola.

Am späteren Nachmittag haben wir uns von Leonard, dem Sekretär des Kigugu Komitees, zeigen lassen, wo sich der Einlauf und der Tank für das Wasserleitungsystem, das mit Hilfe der Finanzierung durch die Weltbank, aber ohne Unterstützung durch Kigugu Help errichtet wurde, befinden.

Dazu sind wir mit dem Land Cruiser auf einer steilen Piste ein ganzes Stück in die Berge gefahren, bis zu einem erstaunlich gut ausgebauten Dorf. Von dort ging es zu Fuß einen Hang hinab und durch eine Kakao-Plantage zum Divue-River. Zwischen den Felsen befindet sich ein kleines Beton-Becken mit einem Absperr-Schieber, aus dem das seitlich durchlöcherte Einlaufrohr in den Fluss ragt. Die relative Nähe zum nächsten Dorf führte automatisch zur Frage, wo die Frauen denn ihre Wäsche waschen. Uns wurde versichert, dass sie es ein ganzes Stück flussabwärts täten, allerdings gäbe es weiter flussaufwärts, deutlich höher noch ein Dorf.

Vom Einlauf-Becken führt eine recht dicke Leitung zu einem Tank etwas weiter unten am Berg. Den Tank haben wir allerdings nur von weitem gesehen und nicht näher untersucht. Insgesamt legt das Wasser etwa 7 Kilometer in der Leitung zurück, bis es Kigugu erreicht. Das dazwischen liegende Nachbardorf Mbogo ist ebenfalls an die Leitung angeschlossen. Sowohl in Kigugu als auch in Mbogo zeigt sich jetzt schon der Bedarf einiger Privathaushalte, sich an die Wasserleitung anzuschließen. Es bleibt abzuwarten, wie die Situation sich entwickelt.

Am 16. Juli standen Treffen mit 4 der 5 an uns gemeldeten Frauengruppen auf dem Plan, die jeweils eine finanzielle Unterstützung erhalten sollten. Die fünfte Frauengruppe ist in Nkungwi, also etwas höher in den Bergen, ansässig und wurde später von uns besucht.

Die erste Gruppe war die Juhudi Group. Diese besteht aus 5 Frauen, die hauptsächlich Reis auf gemieteten Feldern anbauen. Vor kurzem haben sie an einem Lehrgang mit Zertifizierung an der Landwirtschaftsschule in Mkindo teilgenommen, um ihre Anbaumethoden zu optimieren. Mit der Unterstützung wollen sie Pestizide, Düngemittel, Gummistiefel und Handschuhe kaufen.

Auf die Frage, ob sie einen Bewässerungs-Service nutzen würden, falls dieser existierte, sagten sie, dass die Ernte dann sicherer wäre, weil sie nicht mehr so stark von der Regenzeit abhängen würde. Wir empfahlen, dass sie dem Kigugu-Kommitee ggf. Personen nennen sollten, die bereit wären einen solchen Service betreiben zu wollen.

Die zweite Frauengruppe nennt sich Biashara Ndogo Ndogo und besteht aus 5 Frauen, die an der Straße Gemüse und andere Kleinigkeiten verkaufen. Das Gemüse bauen sie nicht selbst an, sondern kaufen es bei Bauern und Zwischenhändlern ein. Mit der Unterstützung würden sie ihr Sortiment erweitern.

Die dritte Frauengruppe Mamalishe Mshikamano besteht aus 5 Frauen, die in der Nähe der Straße ein kleines Restaurant betreiben.

Unser Vorschlag, durch ein entsprechend großes Schild mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wurde entgegengenommen. Mit der Unterstützung wollen sie Bänke und Geschirr, aber auch Öl und Mehl kaufen. Einige Tage später haben wir ums persönlich von der Qualität des Essens überzeugt und waren recht zufrieden.

Die vierte Frauengruppe nennt sich Kilimo Bora Cha Mpunga und besteht aus 5 Frauen, die Reis und Bananen anbauen.

Sie benötigen Geld für Pestizide und Dünger und würden die Unterstützung hierfür verwenden. Im Gegensatz zur ersten Frauengruppe sind sie selbst Eigentümer der Felder, die sie bewirtschaften. Wir sprachen nochmals die Idee mit der Bewässerung an, und hörten auch hier, dass ein Bewässerungs-Service angenommen würde. Interessant für uns war, dass sie etwa 1,9 Mio. Shilling (ca. 950 Euro) pro Jahr benötigen, um alle Ausgaben zu decken. Pestizide würden davon etwa 100000 Shilling (ca. 50 Euro) ausmachen.

Am Vormittag des 17. Juli haben wir uns aufgeteilt. Während Michael eine kurze Schulung zum Thema E-Mails schreiben mit dem Tablet-PC abhielt, sahen sich Bernd und Hannes den Zustand der Brunnen an und erkundeten einige Gebiete für die das Kigugu-Komitee Vorschläge zur Erweiterung des Elektro-Netzes unterbreitet hatte.

Nachmittags erwarteten wir die von uns unterstützten Schülerinnen der Secondary-School. Von den 23 geförderten Mädchen erschienen 12. Wie bereits bei vorangegangenen Besuchen, waren die Mädchen recht zurückhaltend und schweigsam. Wir übergaben vier der fünf über das Kigugu-Komitee beschafften Fahrräder an die Mädchen aus Form 2. Das fünfte Mädchen wohnt zwar in Kigugu, geht aber nicht in die Sungaji-Secondary-School, sondern in Dakawa zur Schule. Das Fahrrad für sie würde Grace, die Schatzmeisterin des Kigugu-Komitees, später persönlich übergeben.

Nach den aktuellen Problemen befragt, antworteten die Mädchen, dass einige von ihnen zu Hause keinen Strom hätten und daher nach Einbruch der Dunkelheit keine Hausaufgaben mehr machen könnten. Sie wünschten sich tragbare Solarlampen. Weiterhin fehlen inzwischen Bücher, insbesondere für Form 4, da einige Schülerinnen diese nach Verlassen der Schule nicht wieder abgegeben hätten. Daraufhin forderten wir das Kigugu-Komitee auf, eine entsprechende Nachbeschaffung in Angriff zu nehmen, da bereits entsprechende Mittel im laufenden Haushalt vorgesehen sind. In der Schule fehlt es weiterhin an Labor-Equipment und anderen Lehrmitteln. Nach dem Treffen mit den geförderten Mädchen kamen zwei weitere Schülerinnen der Sungaji-Secondary-School auf uns zu und baten um Unterstützung mit speziellen Büchern zur Prüfungsvorbereitung. Sie machten uns außerdem darauf aufmerksam, dass für die Abschlussprüfung in Form 4 eine Prüfungsgebühr von 50000 Schilling (ca. 25 Euro) anfällt, die für viele Familien kaum aufzubringen sei.

Am Samstag, d. 18. Juli, erkundeten wir das bereits realisierte Stromnetz, indem wir jeden einzelnen Mast aufsuchten und diesen sowohl in einem Luftbild markierten, als auch notierten, wie viele Hausanschlüsse davon abgehen. Das nahm reichlich Zeit in Anspruch.

Am späten Nachmittag fand ein Fußballspiel statt, die Mannschaft aus Kigugu trat gegen die Mannschaft des Nachbardorfes Mkindo an. Als besondere Überraschung hatten wir im Vorfeld der Reise einen Satz Trikots vom FC Hansa Rostock bekommen können, so dass die Mannschaft aus Kigugu in Hansa-Blau auflief. Anfängliche Bedenken, dass die Shirts der B-Jugend von Hansa zu klein sein könnten, lösten sich sogleich in Luft auf. Die Freude war groß.

Zusätzlich hatte Hansa auch einen Fußball gespendet, über den sich die Spieler beinahe noch mehr freuten. Das Spiel endete 2:1 für Kigugu. Damit die gegnerische Mannschaft nicht ganz leer ausging, hatten wir noch ein Bayern-München-Banner im Gepäck, das mit Freude angenommen wurde.

Sonntag war nichts geplant. Noch vor dem Frühstück fuhren wir zum Divue-River, um im herrlich frischen Gebirgswasser zwischen den Felsen am Wasserfall zu baden. Kurz nach 10 Uhr fanden wir uns zum Gottesdienst in der anglikanischen Kirche ein. Der Kirchenchor war klein aber trotzdem sehr stimmgewaltig. Wie üblich kam auch der Moment, an dem uns der Pastor aufforderte, uns vorzustellen, natürlich in Kiswahili. Da diesmal keine Naturalien gespendet wurden, entfiel leider die Versteigerung am Ende des Gottesdienstes. Am frühen Nachmittag fuhren wir zum Markt nach Madizini in der Nähe von Turiani. Debora und Aquinata, die Martha im Haushalt unterstützten und denen wir zahlreiche köstliche Mahlzeiten zu verdanken haben, begleiteten uns. Bei einem anschließenden Spaziergang durch das Dorf und die Felder ergaben sich wieder einige nette Begegnungen und viele Fotos.

Für Montag, den 20. Juli, war vormittags ein Besuch in der Sungaji-Secondary-School vorgesehen. Dabei konnte jeder von uns dreien an einer Unterrichtsstunde teilnehmen. Hannes entschied sich für Mathematik in Form 4, Bernd für Geografie in Form 4 und Michael für Physik in Form 2. Während Hannes und Bernd ganz begeistert waren, wie anspruchsvoll der Unterrichtsstoff war und wie engagiert die Lehrer versucht haben den Stoff zu vermitteln, war der Physikunterricht eher ernüchternd und hat wieder einmal deutlich gemacht, dass einerseits die englische Sprache eine große Hürde ist und andererseits der Erfolg des Unterrichts wesentlich von gut ausgebildeten und talentierten Lehrern abhängt.

Der Direktor der Schule hat versucht, uns die Probleme der Schule zu erläutern, dabei kamen wir insbesondere auf die Prüfungen zu sprechen. Er bestätigte, dass die Prüfungsgebühr in Form 4 tatsächlich 50000 Shilling (ca. 25 Euro) beträgt, im Einzelfall aber noch Strafgebühren bei verspäteter Zahlung dazu kämen. Die Prüfungsgebühr wird etwa am Beginn des Halbjahres fällig, wenn die Familien die Gebühr aber erst unmittelbar vor der Prüfung oder sogar erst danach entrichten können, dann verdoppelt sich der Betrag auf 100000 Shilling (ca. 50 Euro). Auch wenn die Prüfungsgebühr nicht bezahlt wurde, können die Schüler an der Prüfung teilnehmen, erfahren das Ergebnis aber erst nach Bezahlung der Gebühr inkl. der Strafzuschlag.

Am Nachmittag haben wir die Erkundung des Stromnetztes und der Gebiete für die vergeschlagenen Erweiterungen fortgesetzt, mussten dabei aber bald auf Hannes verzichten, der mit Chisengo, dem Koordinator des Kigugu Komitees, zu TANESCO gefahren ist. Der Besuch galt der Hoffnung, dass der Kigugu Help Koordinator mit Europäern im Schlepptau genug Eindruck schindet und die Erweiterung des Stromnetzes dadurch etwas beschleunigt werden kann. Außerdem sollten sich so die aktuellen Konditionen für Hausanschlüsse usw. in Erfahrung bringen lassen. Aus unserer Sicht war der Besuch eher enttäuschend, da sich die stellvertretende Managerin wenig kooperativ zeigte.

Nachdem wir noch am Montag nach Morogoro gefahren waren und eine Nacht dort verbracht hatten, konnten wir am Morgen des 21. Juli die von den Schülerinnen aus Form 4 der Secondary-School gewünschten Bücher für die Prüfungsvorbereitung erwerben und nach Kigugu bringen. Am Vormittag fand eine weitere Sitzung mit dem Kigugu-Komitee und dem Chairman der Dorfregierung statt. Dabei haben wir noch einmal über die wesentlichen Punkte unserer Planung, aber auch über die an uns herangetragenen Probleme diskutiert.

Wir haben die kartografische Erfassung des Stromnetzes vorgestellt und vereinbart, dass entsprechende Kostenvoranschläge für die vorgeschlagenen Erweiterungen durch das Kigugu-Komitee von TANESCO eingeholt und an uns gesendet werden sollen. Die Entscheidung, wann welche Erweiterung durch uns unterstützt wird, soll zunächst zu Hause in Deutschland beraten werden.

Ein weiteres Thema war die Förderung von Elektro-Hausanschlüssen, wobei wir hier die etwas veränderte Verfahrensweise nochmals erläutert haben. Für die Brunnen werden wir zunächst keine weitere Unterstützung leisten. Nur wenn das Kigugu-Komitee bzw. die Dorfregierung von sich aus Bemühungen zum Erhalt der Brunnen zeigen, würden wir hier wieder einsteigen. Die Frage nach Unterstützung beim Bau weiterer Wasserstationen werden wir erst nach Diskussion in Deutschland beantworten. Im Moment gibt es 11 Wasserstationen im ganzen Dorf (inkl. Chazi und Dizungu). Mit dem im Dorf regelmäßig eingesammelten Wassergeld sollte es dem Dorf auch eigenständig möglich sein, weitere Wasserstationen zu bauen. Bezüglich des defekten mittleren Schulgebäudes haben wir das Kigugu-Komitee aufgefordert, einen Kostenvoranschlag für die Reparatur zu erfragen. Damit können wir dann entscheiden, ob die Reparatur tatsächlich sinnvoll ist. Aus heutiger Sicht scheint die Reparatur durchaus lohnenswert, auch um die alte afrikanische Gewohnheit, abzureißen und neu zu bauen statt zu reparieren aufzubrechen. Im weiteren haben wir über Beschaffung von Fahrrädern für die geförderten Mädchen der Secondary-School gesprochen und sind uns einig, dass dies fortgesetzt werden sollte. Wir haben auch von der Hospitation in der Secodary-School erzählt, die überwiegend positiv überrascht hat. Die Vollendung des Versammlungsraumes im Gemeindehaus haben wir mit niedriger Priorität bewertet, wollen dieses Thema aber in Deutschland diskutieren. Ein geplanter Themenschwerpunkt sollte die Überarbeitung des Agreements für die Zusammenarbeit des Vereins Kigugu Help in Deutschland und des Kigugu Help Komitees in Kigugu sein. Inzwischen ist dieses mehr als 10 Jahre alt und einige damals vereinbarte Punkte haben sich als unzweckmäßig erwiesen, andere Themen sind hinzugekommen. Ziel sollte die Neufassung des Agreements sein. Um nicht den Rest des Tages in endlosen Diskussionen zu verbringen, haben wir gemeinsam entschieden, dass von beiden Seiten Änderungsvorschläge erarbeitet und per E-Mail ausgetauscht werden, so dass im Ergebnis ein neu gefasstes Agreement entsteht.

Am Vormittag des 22. Juli machten wir uns auf den Weg nach Nkungwi. Anders als bisher war es diesmal möglich den ganzen Weg bis zur Grundschule Nkungwi mit dem Auto zu bewältigen. Hier durfte der Land Cruiser noch einmal zeigen, was er kann. Dadurch ließ sich eine Menge Zeit und Kraft sparen. Wir wurden von den Schülern und dem Direktor in Empfang genommen und schon nach einem kurzen Begrüßungslied in das Head-Master-Office gebeten. Dort verlas der Direktor einen Brief an uns, in dem er die aktuellen Probleme der Schule schilderte. Es werden vor allem weitere Klassenräume benötigt, außerdem Lehrmaterialien und Toiletten für Lehrer und für Schüler. Der Fußboden des Office besteht derzeit aus losem Schotter und müsste auch fertig gestellt werden.

Weiterhin besteht Bedarf an Wohnhäusern für die Lehrer, deren Fundamente schon seit vielen Jahren bestehen. Ein Wunsch war, eine Wasserleitung vom Chazi-River bis zur Schule zu bauen, um Leitungswasser zu bekommen. Nach verschiedenen Angaben beträgt die Entfernung etwa 2 bis 5 Kilometern. Außerdem wird ein Anschluss an das Stromnetz gewünscht. Problematisch ist dabei aber, dass Nkungwi ziemlich weit von Kigugu entfernt und das Gelände dazwischen sehr abschüssig ist. Wir haben den Direktor gebeten, für die Wasserleitung und den Stromanschluss entsprechende Angebote einzuholen. Für den Bau von zwei weiteren Klassenräumen übergab er uns entsprechende Pläne mit detaillierter Aufstellung der Kosten.

Von der Schule aus erklommen wir zu Fuß einen steilen Pfad zu einem Haus, an dem uns die fünfte Frauengruppe erwartete. Es handelte sich um die Gruppe Bustani Na Mboga Mboga. Diese 6 Frauen betreiben hauptsächlich Gemüseanbau. Sie haben die Gruppe gerade erst gegründet und wollen das Gemüse auf dem Markt verkaufen. Außerdem wollen sie kleine Fischteiche neben den Bächen in den Bergen anlegen und die darin gezüchteten Fische ebenfalls auf dem Markt verkaufen. Am nächsten Morgen wurden wir mit einem Geschenk von dieser Frauengruppe überrascht. Mr. Athumani aus Nkungwi, der auch Mitglied im Kigugu Komitee ist, überbrachte uns zwei Hühner verbunden mit den besten Grüßen.

Am 23. Juli stand auf der Tagesordnung nur noch die Abschluss-Party. Tatsächlich kamen aber noch einige Leute mit ihren Anliegen auf uns zu. Außerdem konnten wir den Handwerkern ein wenig über Schulter schauen, die dabei waren, den ersten privaten Anschluss an die zentrale Wasserleitung zu verlegen. Die Party war ein gelungener Abschluss unseres Aufenthalts in Kigugu. Nach einem üppigen Mahl und verschiedenen Ansprachen wurde viel gelacht und getanzt.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zurück nach Dar Es Salaam und kamen dort am Nachmittag im selben Quartier an, in dem wir auch schon die erste Nacht in Tansania verbracht hatten. Wir gaben das Auto wieder bei der Autovermietung ab und beendeten den Tag mit einem Abendessen im italienischen Restaurant bei Pizza und Pils.

Nun standen uns zur Erholung und für den nötigen Abstand noch ein paar sonnige Urlaubstage auf Pemba bevor, die wir mit einer Insel-Tour, schnorchelnd am Korallenriff, bei strömendem Regen Wasser schöpfend auf einem etwas zu kleinen traditionellen Segelboot und mit Lesen in der Hängematte oder diesen Bericht schreibend verbracht haben.

gez. Michael Krüger

 
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